Rückblick und meine Zusammenfassung der Reise auf der Seidenstrasse

Was waren meine Erwartungen an diese Reise?

In erster Linie wollte ich die Länder an der Seidenstraße kennenlernen, die Kulturen erleben, den Menschen begegnen und die Sehenswürdigkeiten entdecken.
Auf dieser Reise wurden meine Erwartungen und Bedürfnisse weit übertroffen und ich bin uneingeschränkt glücklich, diese Reise unternommen zu haben.

Erfahrungen:

Mit der Reise gen Osten fand auch eine Zeitreise in die Vergangenheit statt. Ab Albanien ist es mir vorgekommen, als wenn sich die Zeit Stepp by Stepp zurückdrehte. Angefangen, dass mir Eselskarren begegnet sind oder ich Infrastrukturen aus vergangenen Tagen sehen und erleben konnte.
Auch die Kombination von Traditionellem mit Neuzeitlichem war beeindruckend, z. B. wenn ich einen Bauer auf seinem Esel hab reiten sehen und er gleichzeitig mit dem Mobilphone telefonierte. Ein anderes Bild war z. B. auch, wenn die ganze Familie einen Ausflug ins Grüne mit 4 Personen (Mann und Frau mit 2 Kindern und natürlich noch den Picknickkorb am Arm) auf einem kleinen Moped unternimmt, oder das „Plumpsklo“ und die Dusche mit Schöpfkelle….

Auf meiner Reise bin ich kein Mal persönlich bedroht worden (ausgenommen an der türkisch/iranischen Grenze die Steinewerfer), oder musste Angst um meine Ausrüstung haben. Den Wünschen nach „kleinen Geschenken“ bzw. Bestechung habe ich widerstanden und Geld für Zuwiderhandlung im Straßenverkehr brauchte ich auch nicht zu zahlen. Meine Erklärung hierfür ist, dass man als Motorradreisender aus dem üblichen Raster (Beuteraster) fällt und als „Exot“ wahrgenommen wird, bei dem man nicht weiß, ob man ihn bedauern oder bewundern soll.

Die vielen Begegnungen mit den Menschen in diesen Ländern wird mir unvergessen bleiben und ich war mehr als einmal tief beeindruckt (oder auch beschämt) von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit dieser Menschen, obwohl sie z. T. materiell viel schlechter gestellt sind als wir hier.

Der Iran hat mich am meisten auf meiner Reise überrascht. Im Vorfeld war ich schon ein wenig nervös, in den Iran zu reisen, da ich die Sprache Farsi weder lesen noch verstehen kann. Sich komplett als Analphabet zu fühlen, ist nicht so toll. Das bedeutet, keine Straßenschilder lesen zu können od. dem Tankwart nicht erklären zu können, dass ich Benzin tanken möchte….
Aber die Bedenken waren haltlos, es sprechen sehr viele Menschen im Iran Englisch und die Straßenschilder sind fast immer 2sprachig.
Im Iran bin ich so vielen freundlichen und interessierten Menschen begegnet und sehr beeindruckt von den einmaligen Sehenswürdigkeiten. Auch besteht der Iran nicht nur aus Wüste und Felsen, sondern er hat sehr unterschiedliche Landschaften mit hohen Bergen oder Meeresküsten und grünen Wäldern mit Wasserfällen…

Auf meiner Reise habe ich 17 Länder durchquert, angefangen von Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisien, Kasachstan, Russland, Lettland, Litauen und Polen.

Ein paar Anmerkungen zur Ausrüstung für diese Reise:

Um die Reichweite meines Motorrades auf 500 – 600km ohne Tankstopp auszudehnen, habe ich 2 Reservekanister mit je 5 Ltr. an meine Koffer montiert. Die Reservekanister habe ich auch 3x dringend benötigt.
Die Befestigung der Kanister mit Gurten an den Koffern mit den Haltern von Touratech würde ich das nächste Mal verbessern. Der Fuß des Halters ist für einen Standardreservekanister zu klein und müsste vergrößert werden.

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  • Die Reifen von Conti vom Typ TKC80 waren für die Reise der ideale Kompromiss zwischen Strassentauglichkeit, Offroad Anforderungen und Laufleistung. Die Reifen hatten bei mir nach ca. 15.000km noch genügend Profil. Die erhöhten Laufgeräusche der Stollenprofile oder die sägezahnförmige Abnutzung (Vibration der Maschine bei langsamer Fahrt) des Vorderreifens durch die Vorderradbremsungen, sehe ich als vertretbare Einschränkung an.
  • Das Navigationsgerät von Garmin vom Typ Zümo 660 hat sehr gute Dienste geleistet und einwandfrei funktioniert. Besonders hilfreich war die Navigation nach sogenannten Tracks in Zentralasen bzw. in den Ländern, von denen ich keine routingfähigen Karten hatte. Die Tracks habe ich auf Google Maps Karten im Internet erstellt und mit Routeconverter in das entsprechende Garminformat konvertiert. Die Karten von Openstreetmaps habe ich nicht ausprobiert, sie sollen aber nach Aussagen von z. B. Adrian recht gut funktionieren. Die abschließbare Lenkerhalterung von Touratech halte ich für eine gute Ergänzung, damit auch bei Offroadfahrten und entsprechenden Vibrationen das Navi nicht aus seiner Halterung fällt.Sowohl die Garmin Routen und geplanten Tracks als auch z. T. die  gefahrenen Tracks von Zentralasien und dem Pamier Highway liegen zum Download auf einem 1&1 Server.
  • Die Ladestation auf dem Motorrad über einen USB Adapter ist mir allerdings auf der Reise ausgefallen. Die Vibrationen durch die Offroadstrecken haben die Mechanik unbemerkt zerlegt und dann zu einem Kurzschluss in der Elektrik geführt. Gott sei Dank hatte ich die Leitung mit einer 5Amp. Sicherung abgesichert, so dass kein weiterer Schaden oder Ausfall entstanden ist.
  • Das Motorrad, die BMW R850GS als Reiseenduro, war absolut zuverlässig und hat mir durch den großen Federweg und seinem Handling einen hohen Reisekomfort und Sicherheit gegeben. Auf dieser Reise habe ich mit dieser Maschine eine Strecke von 27.680km zurückgelegt, 10% über Plan. Die Maschine hat jetzt am Ende der Reise 77.000km gelaufen und ist 12 Jahre alt. Ich würde ohne Bedenken mit dieser BMW eine weitere Strecke von 30.000km fahren.
    Der Benzinverbrauch lag je nach Reisegeschwindigkeit zwischen 4,7 – 6 Ltr. pro 100km. Der Ölverbrauch war mit einem 1/2 Ltr. auf der gesamten Strecke vernachlässigbar. Werkzeug und Ersatzteile habe ich bis auf die üblichen Verschleißteile nicht benötigt.
    Die Ersatz/Verschleißteile hatte ich per DHL vorausgeschickt und einen Service auf der Hälfe der Strecke eingeplant, haben gut funktioniert.PS: Mein BMW Zündkerzenschlüssel vom BMW Boardwerkzeug hätte doch für das Quad in Tadschikistan gepasst. Aber ich war so darauf bedacht, aus der gottverdammten Kaserne wieder herauszukommen, dass ich den Schlüssel nicht herausgeholt habe.

Die Alu-Koffer von Touratech haben einige Umfaller gut überstanden und ließen sich einfach wieder ausbeulen.

Hinweis:
Sollte sich mechanisches Spiel in der Kofferbefestigung zeigen, ist es wichtig, dieses Spiel so frühzeitig wie möglich zu beseitigen. Bei Schotterpisten und schlechten Straßenverhältnissen führt dieses Spiel zu weiteren Schäden. Dies gilt natürlich für alle Teile, die durch Vibrationen belastet werden. Ich bin diesem Spiel zu spät nachgegangen und hatte dadurch nachher noch einen Riss im Koffer als Folge.

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  • Zelt- und Campingausrüstung haben sich als wichtige Ausweichmöglichkeit dargestellt, wenn mal kein Homestay, Hostel oder Hotel zu finden war. Die 6cm therm a rest Matte hat in der Nacht für den Schlafkomfort gesorgt. Für die unterschiedlichen Klimazonen hatte ich 2 Schlafsäcke dabei, einen für die sommerlichen Tage und einen, der bis zu -15° spezifiziert ist.
  • Mein kleines Familienalbum mit den Bildern meiner Fam. hat mir oft als gute Kommunikationsmöglichkeit gedient. Sogar an den Grenzen z. B. in Uzbekistan, waren die Zollbeamten danach lockerer drauf, nachdem sie mein soziales Umfeld und mich als Einzelreisender besser einschätzen konnten. Die Fragen nach versteckten Waffen oder Drogen haben sie dann nicht mehr gestellt oder wurden mit einem Schmunzeln gestellt und ich hab sie lachend mit nein beantwortet.
  • Kommunikationsmöglichkeiten:
    Skype als günstige Möglichkeit zu telefonieren, hat gut funktioniert. Skype gibt es auch für Smartphone mit Windows Betriebssystem. Über WiFi bin ich oft in den Hotels od. Straßencafés kostenlos ins Internet gekommen, war auch in Zentralasien weit verbreitet. In Hotels od. Internetcafés habe ich ferner einen Memorystick mit Portable Apps (E-Mailprogramm, Firefox, Bildbearbeitung …) genutzt und somit meine gewohnten Programme nutzen können. Es musste nur die Tastatur des Rechners auf Englisch umgestellt werden.
    In den verschiedenen Ländern habe ich mir immer für kleines Geld eine Prepaid Karte für ca. 10$ gekauft und konnte so recht günstig mit dem Smartphone im Internet surfen oder E-Mails abrufen.
    Fast alle Biker, die ich auf der Reise getroffen habe, hatten ein Netbook dabei und damit alle Kommunikationsmöglichkeiten gut beieinander.
  • Das Enduro Training für die Reise Offroad und Schotterpisten hat sich als sehr nützlich erwiesen. Auf meiner Reise hatte ich 4 Umfaller und 2 Stürze. Der eine Sturz passierte aufgrund eines Fahrfehlers in einem Bachbett und der andere dadurch, dass mich ein Taxifahrer in Osh angefahren hat und ich die Balance verloren habe. Verletzt habe ich mich bei all dem nicht.
    Beim letzten Umfaller in Kasachstan ist es mir gelungen, meine beladene Maschine mit Gesamtgewicht von ca. 310kg allein aufzurichten.Wie habe ich das hinbekommen?
    Auf dem Enduro Lehrgang hatte ich gelernt, wie man eine Maschine allein aufrichten kann: Hierzu wird der Lenker z. B. ganz nach rechts gedreht, wenn die Maschine auf der linken Seite liegt. Dadurch entsteht der größte Hebel am Lenker und das Gewicht wird über die Rundung des Vorderrades aufgerichtet. Man stellt sich auf die linke Seite der Maschine, fasst dann den äußersten Punkt des Lenkers mit beiden Händen und hat den Rücken zum Motorrad gedreht und hebt die Maschine mit seiner Maximalkraft an. Sobald die Maschine halb aufgerichtet ist, kann man mit dem Rücken gegen den Tank die Aufrichtung weiter umsetzen.

Statistik des Reisetagebuches und meiner Homepage:

Seit Einrichtung des Reisetagebuches sind 8.604 (Stand 30.8.2011) Besucher auf der Seite gewesen und haben sich die Beiträge angeschaut.
Meine Homepage hat seit Bereitstellung Anfang Jan. 2011 bis heute (30.8.2011) 7.736 Besucher gezählt und in das Gästebuch haben sich 89 Gäste eingetragen und einen Kommentar zur Reise und ihre Eindrücke abgegeben. In den letzten 8 Wochen waren täglich ca. 150 – 250 Leser auf der Homepage.

An dieser Stelle möchte ich meinen großen Dank für Eure/Ihre Aufmerksamkeit aussprechen. Diese Kommunikation/Aufmerksamkeit war mir auf der Reise eine große und unerwartete Hilfe!!!

Das Reisetagebuch ist ferner für mich eine gute Möglichkeit gewesen, meine z. T. heftigen Eindrücke mitzuteilen bzw. zu verarbeiten. Nebenbei bildet es auch eine gute Dokumentationsmöglichkeit, um auch später einigermaßen genau die Erlebnisse wieder abrufen zu können. Die Einträge in den Blog erfolgten größtenteils einfach per E-Mail und wurden mit meinem Smartphone während der schönen Pausen im Straßencafé od. sonstigen Ruhephasen geschrieben und waren damit keine hohe Belastung oder gar lästig.

Hiermit schließe ich mein Reisetagebuch und bedanke mich bei all den vielen Lesern für die Aufmerksamkeit und Zuwendung. Ganz besonders bedanke ich mich bei meiner Fam., die mich immer unterstützt und viel Verständnis für die Realisierung meines Traumes aufgebracht hat.

Euer/Ihr
Josef Lackhove

 

PS:
Das Reisetagebuch werde ich noch an der ein oder anderen Stelle ein wenig nachbearbeiten und Bilder ergänzen.

PPS:
Derzeit schwanken meine Gefühle zwischen sehr glücklich, wieder Zuhause angekommen zu sein und Bedauern, dass die wunderschöne Reise ihr Ende gefunden hat. Es wird wohl noch ein Weilchen so bleiben, vermute ich.

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