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Rückblick und meine Zusammenfassung der Reise auf der Seidenstrasse

Was waren meine Erwartungen an diese Reise?

In erster Linie wollte ich die Länder an der Seidenstraße kennenlernen, die Kulturen erleben, den Menschen begegnen und die Sehenswürdigkeiten entdecken.
Auf dieser Reise wurden meine Erwartungen und Bedürfnisse weit übertroffen und ich bin uneingeschränkt glücklich, diese Reise unternommen zu haben.

Erfahrungen:

Mit der Reise gen Osten fand auch eine Zeitreise in die Vergangenheit statt. Ab Albanien ist es mir vorgekommen, als wenn sich die Zeit Stepp by Stepp zurückdrehte. Angefangen, dass mir Eselskarren begegnet sind oder ich Infrastrukturen aus vergangenen Tagen sehen und erleben konnte.
Auch die Kombination von Traditionellem mit Neuzeitlichem war beeindruckend, z. B. wenn ich einen Bauer auf seinem Esel hab reiten sehen und er gleichzeitig mit dem Mobilphone telefonierte. Ein anderes Bild war z. B. auch, wenn die ganze Familie einen Ausflug ins Grüne mit 4 Personen (Mann und Frau mit 2 Kindern und natürlich noch den Picknickkorb am Arm) auf einem kleinen Moped unternimmt, oder das „Plumpsklo“ und die Dusche mit Schöpfkelle….

Auf meiner Reise bin ich kein Mal persönlich bedroht worden (ausgenommen an der türkisch/iranischen Grenze die Steinewerfer), oder musste Angst um meine Ausrüstung haben. Den Wünschen nach „kleinen Geschenken“ bzw. Bestechung habe ich widerstanden und Geld für Zuwiderhandlung im Straßenverkehr brauchte ich auch nicht zu zahlen. Meine Erklärung hierfür ist, dass man als Motorradreisender aus dem üblichen Raster (Beuteraster) fällt und als „Exot“ wahrgenommen wird, bei dem man nicht weiß, ob man ihn bedauern oder bewundern soll.

Die vielen Begegnungen mit den Menschen in diesen Ländern wird mir unvergessen bleiben und ich war mehr als einmal tief beeindruckt (oder auch beschämt) von der Gastfreundschaft und Herzlichkeit dieser Menschen, obwohl sie z. T. materiell viel schlechter gestellt sind als wir hier.

Der Iran hat mich am meisten auf meiner Reise überrascht. Im Vorfeld war ich schon ein wenig nervös, in den Iran zu reisen, da ich die Sprache Farsi weder lesen noch verstehen kann. Sich komplett als Analphabet zu fühlen, ist nicht so toll. Das bedeutet, keine Straßenschilder lesen zu können od. dem Tankwart nicht erklären zu können, dass ich Benzin tanken möchte….
Aber die Bedenken waren haltlos, es sprechen sehr viele Menschen im Iran Englisch und die Straßenschilder sind fast immer 2sprachig.
Im Iran bin ich so vielen freundlichen und interessierten Menschen begegnet und sehr beeindruckt von den einmaligen Sehenswürdigkeiten. Auch besteht der Iran nicht nur aus Wüste und Felsen, sondern er hat sehr unterschiedliche Landschaften mit hohen Bergen oder Meeresküsten und grünen Wäldern mit Wasserfällen…

Auf meiner Reise habe ich 17 Länder durchquert, angefangen von Tschechien, Österreich, Slowenien, Kroatien, Montenegro, Albanien, Griechenland, Türkei, Iran, Turkmenistan, Usbekistan, Kirgisien, Kasachstan, Russland, Lettland, Litauen und Polen.

Ein paar Anmerkungen zur Ausrüstung für diese Reise:

Um die Reichweite meines Motorrades auf 500 – 600km ohne Tankstopp auszudehnen, habe ich 2 Reservekanister mit je 5 Ltr. an meine Koffer montiert. Die Reservekanister habe ich auch 3x dringend benötigt.
Die Befestigung der Kanister mit Gurten an den Koffern mit den Haltern von Touratech würde ich das nächste Mal verbessern. Der Fuß des Halters ist für einen Standardreservekanister zu klein und müsste vergrößert werden.

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  • Die Reifen von Conti vom Typ TKC80 waren für die Reise der ideale Kompromiss zwischen Strassentauglichkeit, Offroad Anforderungen und Laufleistung. Die Reifen hatten bei mir nach ca. 15.000km noch genügend Profil. Die erhöhten Laufgeräusche der Stollenprofile oder die sägezahnförmige Abnutzung (Vibration der Maschine bei langsamer Fahrt) des Vorderreifens durch die Vorderradbremsungen, sehe ich als vertretbare Einschränkung an.
  • Das Navigationsgerät von Garmin vom Typ Zümo 660 hat sehr gute Dienste geleistet und einwandfrei funktioniert. Besonders hilfreich war die Navigation nach sogenannten Tracks in Zentralasen bzw. in den Ländern, von denen ich keine routingfähigen Karten hatte. Die Tracks habe ich auf Google Maps Karten im Internet erstellt und mit Routeconverter in das entsprechende Garminformat konvertiert. Die Karten von Openstreetmaps habe ich nicht ausprobiert, sie sollen aber nach Aussagen von z. B. Adrian recht gut funktionieren. Die abschließbare Lenkerhalterung von Touratech halte ich für eine gute Ergänzung, damit auch bei Offroadfahrten und entsprechenden Vibrationen das Navi nicht aus seiner Halterung fällt.Sowohl die Garmin Routen und geplanten Tracks als auch z. T. die  gefahrenen Tracks von Zentralasien und dem Pamier Highway liegen zum Download auf einem 1&1 Server.
  • Die Ladestation auf dem Motorrad über einen USB Adapter ist mir allerdings auf der Reise ausgefallen. Die Vibrationen durch die Offroadstrecken haben die Mechanik unbemerkt zerlegt und dann zu einem Kurzschluss in der Elektrik geführt. Gott sei Dank hatte ich die Leitung mit einer 5Amp. Sicherung abgesichert, so dass kein weiterer Schaden oder Ausfall entstanden ist.
  • Das Motorrad, die BMW R850GS als Reiseenduro, war absolut zuverlässig und hat mir durch den großen Federweg und seinem Handling einen hohen Reisekomfort und Sicherheit gegeben. Auf dieser Reise habe ich mit dieser Maschine eine Strecke von 27.680km zurückgelegt, 10% über Plan. Die Maschine hat jetzt am Ende der Reise 77.000km gelaufen und ist 12 Jahre alt. Ich würde ohne Bedenken mit dieser BMW eine weitere Strecke von 30.000km fahren.
    Der Benzinverbrauch lag je nach Reisegeschwindigkeit zwischen 4,7 – 6 Ltr. pro 100km. Der Ölverbrauch war mit einem 1/2 Ltr. auf der gesamten Strecke vernachlässigbar. Werkzeug und Ersatzteile habe ich bis auf die üblichen Verschleißteile nicht benötigt.
    Die Ersatz/Verschleißteile hatte ich per DHL vorausgeschickt und einen Service auf der Hälfe der Strecke eingeplant, haben gut funktioniert.PS: Mein BMW Zündkerzenschlüssel vom BMW Boardwerkzeug hätte doch für das Quad in Tadschikistan gepasst. Aber ich war so darauf bedacht, aus der gottverdammten Kaserne wieder herauszukommen, dass ich den Schlüssel nicht herausgeholt habe.

Die Alu-Koffer von Touratech haben einige Umfaller gut überstanden und ließen sich einfach wieder ausbeulen.

Hinweis:
Sollte sich mechanisches Spiel in der Kofferbefestigung zeigen, ist es wichtig, dieses Spiel so frühzeitig wie möglich zu beseitigen. Bei Schotterpisten und schlechten Straßenverhältnissen führt dieses Spiel zu weiteren Schäden. Dies gilt natürlich für alle Teile, die durch Vibrationen belastet werden. Ich bin diesem Spiel zu spät nachgegangen und hatte dadurch nachher noch einen Riss im Koffer als Folge.

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  • Zelt- und Campingausrüstung haben sich als wichtige Ausweichmöglichkeit dargestellt, wenn mal kein Homestay, Hostel oder Hotel zu finden war. Die 6cm therm a rest Matte hat in der Nacht für den Schlafkomfort gesorgt. Für die unterschiedlichen Klimazonen hatte ich 2 Schlafsäcke dabei, einen für die sommerlichen Tage und einen, der bis zu -15° spezifiziert ist.
  • Mein kleines Familienalbum mit den Bildern meiner Fam. hat mir oft als gute Kommunikationsmöglichkeit gedient. Sogar an den Grenzen z. B. in Uzbekistan, waren die Zollbeamten danach lockerer drauf, nachdem sie mein soziales Umfeld und mich als Einzelreisender besser einschätzen konnten. Die Fragen nach versteckten Waffen oder Drogen haben sie dann nicht mehr gestellt oder wurden mit einem Schmunzeln gestellt und ich hab sie lachend mit nein beantwortet.
  • Kommunikationsmöglichkeiten:
    Skype als günstige Möglichkeit zu telefonieren, hat gut funktioniert. Skype gibt es auch für Smartphone mit Windows Betriebssystem. Über WiFi bin ich oft in den Hotels od. Straßencafés kostenlos ins Internet gekommen, war auch in Zentralasien weit verbreitet. In Hotels od. Internetcafés habe ich ferner einen Memorystick mit Portable Apps (E-Mailprogramm, Firefox, Bildbearbeitung …) genutzt und somit meine gewohnten Programme nutzen können. Es musste nur die Tastatur des Rechners auf Englisch umgestellt werden.
    In den verschiedenen Ländern habe ich mir immer für kleines Geld eine Prepaid Karte für ca. 10$ gekauft und konnte so recht günstig mit dem Smartphone im Internet surfen oder E-Mails abrufen.
    Fast alle Biker, die ich auf der Reise getroffen habe, hatten ein Netbook dabei und damit alle Kommunikationsmöglichkeiten gut beieinander.
  • Das Enduro Training für die Reise Offroad und Schotterpisten hat sich als sehr nützlich erwiesen. Auf meiner Reise hatte ich 4 Umfaller und 2 Stürze. Der eine Sturz passierte aufgrund eines Fahrfehlers in einem Bachbett und der andere dadurch, dass mich ein Taxifahrer in Osh angefahren hat und ich die Balance verloren habe. Verletzt habe ich mich bei all dem nicht.
    Beim letzten Umfaller in Kasachstan ist es mir gelungen, meine beladene Maschine mit Gesamtgewicht von ca. 310kg allein aufzurichten.Wie habe ich das hinbekommen?
    Auf dem Enduro Lehrgang hatte ich gelernt, wie man eine Maschine allein aufrichten kann: Hierzu wird der Lenker z. B. ganz nach rechts gedreht, wenn die Maschine auf der linken Seite liegt. Dadurch entsteht der größte Hebel am Lenker und das Gewicht wird über die Rundung des Vorderrades aufgerichtet. Man stellt sich auf die linke Seite der Maschine, fasst dann den äußersten Punkt des Lenkers mit beiden Händen und hat den Rücken zum Motorrad gedreht und hebt die Maschine mit seiner Maximalkraft an. Sobald die Maschine halb aufgerichtet ist, kann man mit dem Rücken gegen den Tank die Aufrichtung weiter umsetzen.

Statistik des Reisetagebuches und meiner Homepage:

Seit Einrichtung des Reisetagebuches sind 8.604 (Stand 30.8.2011) Besucher auf der Seite gewesen und haben sich die Beiträge angeschaut.
Meine Homepage hat seit Bereitstellung Anfang Jan. 2011 bis heute (30.8.2011) 7.736 Besucher gezählt und in das Gästebuch haben sich 89 Gäste eingetragen und einen Kommentar zur Reise und ihre Eindrücke abgegeben. In den letzten 8 Wochen waren täglich ca. 150 – 250 Leser auf der Homepage.

An dieser Stelle möchte ich meinen großen Dank für Eure/Ihre Aufmerksamkeit aussprechen. Diese Kommunikation/Aufmerksamkeit war mir auf der Reise eine große und unerwartete Hilfe!!!

Das Reisetagebuch ist ferner für mich eine gute Möglichkeit gewesen, meine z. T. heftigen Eindrücke mitzuteilen bzw. zu verarbeiten. Nebenbei bildet es auch eine gute Dokumentationsmöglichkeit, um auch später einigermaßen genau die Erlebnisse wieder abrufen zu können. Die Einträge in den Blog erfolgten größtenteils einfach per E-Mail und wurden mit meinem Smartphone während der schönen Pausen im Straßencafé od. sonstigen Ruhephasen geschrieben und waren damit keine hohe Belastung oder gar lästig.

Hiermit schließe ich mein Reisetagebuch und bedanke mich bei all den vielen Lesern für die Aufmerksamkeit und Zuwendung. Ganz besonders bedanke ich mich bei meiner Fam., die mich immer unterstützt und viel Verständnis für die Realisierung meines Traumes aufgebracht hat.

Euer/Ihr
Josef Lackhove

 

PS:
Das Reisetagebuch werde ich noch an der ein oder anderen Stelle ein wenig nachbearbeiten und Bilder ergänzen.

PPS:
Derzeit schwanken meine Gefühle zwischen sehr glücklich, wieder Zuhause angekommen zu sein und Bedauern, dass die wunderschöne Reise ihr Ende gefunden hat. Es wird wohl noch ein Weilchen so bleiben, vermute ich.

Ankunft in der Heimat nach 119 Tagen On Tour (26.8.)

Beim Start dieser Reise haben Egon und Michael mich begleitet und mir den Einstieg erleichtert.

Als ich in Polen war, hat sich Michael per E-Mail gemeldet und signalisiert, dass er wohl das letzte Stück der Reise mit mir zusammen fahren möchte. Dieses Angebot habe ich natürlich liebend gern angenommen und so haben wir einen Treffpunkt in Bad Gandersheim im Marktplatz Café am Freitag den 26.8. um 16:00 vereinbart.

Als ich dann um 16:00 voller Erwartung im Straßencafé sitze, kommt Michael Schütte mit seiner BMW 1200GS und wie ich sehe, nicht allein. Mit ihm sind noch Bernd Sievert mit seiner BMW, Otmar Fössing mit seiner KTM, Harald Schmidtke mit seiner Triumpf und Jörg Krampe mit seiner BMW mitgekommen. Man, war das eine schöne Überraschung und herzliche Begrüßung.

Den Rest der Strecke sind wir dann zusammen Richtung Aerzen gefahren, natürlich nicht den direkten Weg, sondern über Alfeld… und waren nach 1 1/2 Std. in Aerzen am Grehberg.

In Aerzen am Grehberg angekommen, wartet die nächste Überraschung auf mich. Hier steht ein mittelgroßes Empfangskomitee und begrüßt mich/uns. Angefangen mit meiner Frau, meinen Kindern Hannah und Theresa, den Nachbarn, den Freunden und einigen Kollegen wie Rolf Sievers, Klaus Dierkes mit Fam., Uwe Begemann, Hartmut Hahn, Ralf Guhl und Sabine Driehaus. Ich bin überwältigt und voll Freude.

Nach so einer langen Reise hab ich natürlich auch eine kleine Überraschung parat, einen großen Blumenstrauß für meine Frau. Die Überraschung ist mir auch gelungen.
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Die letzten Tage der Reise vom Abenteuer Seidenstrasse (24/25.8.)

Kurz hinter Warschau trennen Patrik und ich uns. Er fährt weiter Richtung Krakau und ich Richtung Breslau in Polen. Wir sind zusammen ca. 1.000km gefahren und haben bedauert, dass wir uns nicht schon vorher getroffen haben. An diesem Tag übernachte ich in einem Motel kurz vor Breslau.

Den nächsten Tag geht es weiter Richtung Görlitz und über die letzte Grenze nach Deutschland. In der Nähe von Königstein, in Leupoldshain kenne ich einen guten Campingplatz, den ich schon letztes Jahr benutzt habe. Das Elbsandsteingebirge ist eine Landschaft, die mich immer wieder anzieht. Auch die Sachsen sind ein nettes Völkchen mit ihrer offenen und lebendigen Art. Über kleine Strassen und wenig Verkehr erreiche ich dann auch den Campingplatz und kann bei Sonnenschein mein Zelt aufbauen. In der Nacht hat es aber ordentlich gewittert und sich abgekühlt.

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Festung Königstein

Am anderen Morgen scheint aber wieder die  Sonne und ich kann den blauen Himmel genießen und das Zelt trocken zusammenpacken. Heute gehts weiter Richtung Naumburg an der Saale/Unstrut und zur letzten Übernachtung auf dieser Reise. Über kleine Strassen, abseits vom Verkehr schlägle ich mich über Kriebstein …. Einerseits freue ich mich, dass ich morgen wieder nach 119 Tagen Zuhause bin und andererseits geht meine Reise dem Ende zu. Ein Wechselbad der Gefühle.

In Freyburg an der Unstrut finde ich so gegen 18:00 einen Campingplatz und baue mein Zelt mit Blick auf einen kleinen See auf.

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Gemütlich nach einem schönen Tag auf meinem kleinen Campingstuhl mit einer Flasche Bier, das kam gut.

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Am nächsten Morgen, so gegen 11:00 gehts dann auf die letzte Etappe. Mehr hierzu im nächsten Eintrag.

Ausreise aus Russland und einen netten Biker aus Kroatien in Daugavpils (Lettland) getroffen (21/23.8)

Die Fahrt von St. Petersburg zur Grenze verläuft ohne Probleme. Die Ausreise aus Russland beansprucht dafür aber über 5 Stunden. Das ist das erste Mal, dass es für mich so schwierig und problematisch ist. An der Grenze zu Lettland wird der Übergang von einem, meines Erachtens, speziellen Geschäft blockiert. Es treiben sich unzählige Letten an der Grenze herum und bringen Alkohol, Zigaretten und was weiß ich über die Grenze nach Lettland.

Als ich endlich im Zollbereich bin, erlebe ich eine kleine Überraschung. Ich habe nicht die benötigten Unterlagen für mein Motorrad, einen sogenannten Reisepass für meine Betty (russisches Carnet). Die "nette Lady" vom Zoll will mich wieder zurückschicken, irgendwohin, wo man mir die Unterlage ausstellt (sie will mich einfach nur hier weghaben und damit ihr Problem lösen). Wo ich dieses Dokument bekommen kann, kann sie mir aber nicht erklären. Hab mich aber nicht wegschicken lassen und einen auf unschuldig gemacht, fällt mir ja nicht schwer. Nach einiger Zeit hat sie sich dann zurückgezogen und mit ihrer Chefin gesprochen und ist dann auch mit dieser zu mir gekommen.

Ihre Chefin kann recht gut Englisch und so sprechen wir erst einmal meine Reise durch. Beim Aufzählen all der Länder hat Sie nicht schlecht gestaunt.

Das Problem ist, dass es an den russischen Grenzen keine einheitlichen Zoll-Formularien und Regeln gibt. An der europäischen Grenze gibt es immer diesen Reisepass vom Zoll bei der Einreise, aber eben nicht in Sibirien. Ich habe dann auf meinen Karten den Grenzübergang gezeigt und glaubhaft versichert, dass ich keine weiteren russischen Dokumente mehr habe. Sie hat dann geschmunzelt und gesagt, ich solle mir keine weiteren Sorgen machen. Nach einer weiteren halben Stunde hat es dann auch geklappt und ich bin drüben an der lettischen Grenze 😉 und bin ziemlich happy.

Übernachtet habe ich in Daugavpils (Duenaburg):

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In Daugavpils habe ich im Hotel Patrik getroffen, einen Biker aus Kroatien. Patrik ist seit knapp 3,5 Monaten unterwegs und ist rund um die Welt gefahren mit seiner Susuki V-Stream. Sehr beeindruckend, bis hierher hatte er über 35.000km auf der Uhr. Er hat auch die Mongolei durchquert und einmal an einem Stueck 2.300km geschafft. Danach hat er sich irgendwo in der Nähe der russisch – mongolischen Grenze hingehauen. Danach fehlten ihm leider einige Ausrüstungsgegenstaende, na ja Pech gehabt (;.

Da wir ein gutes Stueck gemeinsamen Weg haben, haben wir uns für 2 Tage zusammengetan. Es war sehr informativ und angenehm. Nächstes Jahr kommt er nach Deutschland, mal sehen, ob wir uns verabreden können.

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Wir haben uns ein Einzelzimmer im Hotel geteilt. Er hat die Nacht auf meiner Therma Rest Matte geschlafen. Man, war das unkompliziert.

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Danach haben sich unsere Wege getrennt. Patrik will, wie ich auch, am Freitag zurück in der Heimat sein.

Die Fahrt nach St. Petersburg und St. Petersburg (19/20.8)

Auf der Fahrt von Vologda nach St Petersburg habe ich ca. 150km vor St. Petersburg in der Stadt Volkhov übernachtet. Volkhov ist eine Industriestadt und liegt am gleichnamigen Fluss Volkhov, aber nach 550km war mir das nicht mehr so wichtig, Hauptsache eine einigermaßen Unterkunft.

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Meine Betty auf einem bewachten Parkplatz hinter dem Hotel. In Russland ist es üblich, bewachte Parkplätze nutzen. Mein Eindruck ist, dass das eine zusätzliche Einnahmequelle darstellt und nicht, weil es besonders unsicher in Russland ist. So wie der Blick in den Hinterhof einen Eindruck gibt, so ist es für mich auch im Hotel. Eine Übernachtung, die ich schnell vergessen möchte!

St. Petersburg ist überwältigend. Als ich am Samstagmorgen in St. Petersburg ankomme, scheint die Sonne und der Verkehr ist um 9:30 nicht so dicht. Die St. Petersburger schlafen wohl noch, mein Glück.

 

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In St Petersburg habe ich nur ganz wenige Bilder geschossen. Ich bin wirklich sehr beeindruckt von dieser Stadt und ihrer Geschichte und habe beschlossen, nur eine kurze Stippvisite zu halten und später einen Kurzurlaub mit meiner Frau zu planen, damit wir uns diese wunderschöne Stadt in aller Ruhe gemeinsam ansehen können.

 Übernachtung bei Dmtry (privat):

Der Abend und die Übernachtung bei Dmtry waren sehr angenehm nach den Hotels!

Dmtry nochmals meinen herzlichen Dank!

Dmtry ist Berufsmusiker und Professor an der Musikhochschule in St. Petersburg und Moskau. Sein Hauptinstrument ist Cello. Er spricht ziemlich gut Deutsch und somit war eine nette und auch tiefergehende Unterhaltung möglich. Im Feb. 2012 wird er in der Nähe von Hannover ein Konzert geben. Den Termin habe ich mir vorgemerkt.

Geschlafen habe ich im Kinderzimmer im Hochbett von Xenia, der jüngsten Tochter von Dmtry. Xenia hat mir ihr Zimmer überlassen und an vielen Stellen kleine Zettel aufgehängt und auf Deutsch die Gegenstände beschrieben. Man muss wissen, dass Xenia 11 Jahre alt ist und seit einem halben Jahr Deutschunterricht hat. Ihre Sprachkenntnisse sind nach dieser kurzen Zeit doch sehr beeindruckend.

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Die Kueche von Dmtry. Es gab lecker Essen und naturlich auch ein Bier.

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Mein Motorrad unbewacht im Hinterhof von Dmtrys Wohnung, war auch kein Problem.

Vologda (18.8)

Die Fahrt nach Vologda ist unspektakulär im Vergleich zu meinen bisherigen Eindrücken. Vielleicht bin ich auch einfach satt und voll von den unzähligen Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten?

Übernachtet habe ich im Spasski Hotel.
Bei der Ankunft in Vologda regnet es und  es ist ein trüber Tag. Das Wetter beeinflusst ja bekanntlich sehr den Eindruck einer Stadt. Daher möchte ich hier keine weiteren Anmerkungen einbringen.

Ansonsten macht sich der Heimatgedanke in mir immer breiter und zieht mich mächtig` gen Westen.

Yaroslavl liegt an der Wolga, nordöstlich von Moskau (16/17.9)

Yaroslavl zählt zu den Städten am goldenen Ring, der nordöstlich um Moskau verläuft und hatte 2010 sein 1000 jähriges Bestehen u ist auch Weltkulturerbe.
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Das Fyodor Volkov's Theater, eines der ältesten Staatstheater Russlands

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Alexander Nevsky Kapelle, erbaut im Jahre 1892

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Die Prophet Elijah Kirche

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Der Wolgablick und der Strelka Park an der Mündung des Flusses Kotorosil in die Wolga.

 

In Yaroslavl habe ich leider keine Biker getroffen oder sonstige nennenswerten Begegnungen gehabt. Das fehlte mir.

Kazan an der Wolga, die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan (13. – 15.8)

Endlich an der Wolga:
Mich reizt es sehr, die Wolga zu sehen, daher nehme ich mir vor, die Strecke von Ekatarinburg nach Kazan an der Wolga an einem Tag mit 1.000km zu fahren. Die 1.000km bedeuten in dieser Zeitzone eine Verschiebung von MEZ +5 auf MEZ +3. Trotzdem habe ich 15 Std. benötigt und bin nachher entsprechend platt. Nach einigem Suchen finde ich auch noch ein sehr günstiges Hotel für 15€ pro Nacht. War gar nicht so einfach, weil heute auch das Spitzenfußballspiel zwischen Kazan und Moskau stattfindet. Sie haben 1:1 gespielt.

Zwischendurch mal kurz ohne Führerschein:
Irgendwo nach Perm komme ich in eine Strassenbaustelle, in der ein Besenfahrzeug mit 10km/h Rollsplit auf der Straße verteilt. Ein paar 100m bleibe ich auch brav hinter dem Fahrzeug, habe aber bei 10km/h ständig Gleichgewichtsprobleme. Um dem Spiel ein Ende zu bereiten, überhole ich mal kurz rechts und werde auch gleich von der Polizei erwischt und rausgewinkt. Na, was das jetzt wohl bedeutet? Ich muss alle Dokumente zeigen, angefangen vom Pass, Führerschein und Kfz-Schein. Dann zeigt er mir in einem Verkehrsregelbuch, was ich falsch gemacht habe und weist mich darauf hin, dass das Führerscheinentzug bedeutet. Ich komme ganz schön ins Schwitzen und es ist schon so heiß. Nach einer Weile kommt er grinsend aus seinem Auto und sagt, ich sei heute Gast in Russland und gibt mir den Führerschein wieder, klopft mir auf die Schulter und wünscht mir gute Weiterfahrt.
Paa, ich kann darüber zunächst nicht wirklich lachen, aber mir ist ein Stein vom Herzen gefallen.

Zeit mit Alla, Evgeniya und Philip:
In Kazan treffe ich Alla, Evgeniya und Philip. Alla und Evgeniya leben in Kazan und führen ein Hotel.
Philip ist Deutscher und schreibt an seiner Diss. über östliche Geschichte. Er ist Russlandkenner von Berufswegen und spricht ziemlich gut Russisch. Alla zeigt uns die Sehenswürdigkeiten der Stadt und gibt uns gute Tipps.
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Eindrücke von der Stadt Kazan u ein Spaziergang am Wolgaufer:
Kazan ist die Hauptstadt der autonomen Republik Tatarstan u mit seinem Kreml Weltkulturerbe.

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Das Wappen von Kazan, ein rotfluegeliger, schwarzer Basilisk und Drache, der Stärke, Weisheit und Unbesiegbarkeit symbolisiert.

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Der innere Befestigungsring der Stadt Kazan, der sogenannte Kreml ist sehr gut erhalten. Hinter dieser Mauer sind alle wichtigen Funktionen einer Stadt untergebracht, der Regierungssitz, Verwaltung, Kirche ….

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Kazan war schon z Zeiten von Katharina der Grossen beruehmt durch seine Katzen.

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Vor einigen Wochen ist hier ein tragisches Schiffunglück mit einem Wolgaausflugsschiff passiert, bei dem 200 Menschen ertrunken sind. Es waren hauptsächlich Kinder.

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Betty bekommt ein Schaumbad, um den Staub und Dreck der letzten 9.000km loszuwerden, habe sie fast nicht wiedererkannt, so hübsch ist sie jetzt wieder. Mein Motorradanzug stand auch vor Dreck und ist kurzerhand in die Waschmaschine gewandert.

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Sibirien u ein paar Landschafteindrücke

Die Landschaftseindrücke auf der Fahrt durch Sibirien sind bisher recht interessant und auch abwechslungsreich. Zum großen Teil sind die Flächen intensiv landwirtschaftlich genutzt mit Getreideanbau, Mais oder Weideflächen. Es gibt aber auch große Flächen Sumpfgebiet mit Birkenwäldern als Brachland. Man sieht auch so manch alte Kolchose, die verlassen ist und verfällt. Daneben riecht und sieht man z. T. riesige Schweinezuchtbetriebe, blitzsauber und neu.

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Ich hab manchmal das Gefühl bei den ewig langen und geraden Straßen, dass ich keine Kurven mehr fahren kann, wenn ich wieder in Deutschland bin. Auf meinem Navi erscheint des Öfteren die Anzeige: Die nächste Abzweigung in 250km… und Straßenabschnitte, die sind mehr als 50 km schnurgerade.

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 Es ist allerdings eine ziemliche Herausforderung, wenn man die Hauptstraße verlässt und eine vermeintliche Abkürzung fahren möchte. Plötzlich ist die wunderbare Straße verschwunden und ich fahre auf einem Sandweg, der bekanntlich für Motorradfahrer eine Herausforderung darstellt, zumindest für mich. Erst ab ca. 50km/Std stabilisiert sich die Maschine richtig, aber da mal hinzukommen, bedeutet eine kleine Überwindung. Wenn einem das nicht gelingt, liegt man auf der Nase und in Sibirien laufen die Menschen nicht gerade üppig auf Sandwegen herum, um einem zu helfen, das Motorrad wieder aufzurichten. Gott sei Dank ist mir ein Sturz erspart geblieben. Zukünftig werde ich Abkürzungen vermeiden.

Ach übriges, es laufen in Sibirien keine wilden Bären mehr frei auf der Straße herum vor denen man Angst haben muss, kaum zu glauben :). Einschränkend muss ich sagen, ich hab jedenfalls keine gesehen.

Alexeji, ein Biker von der Insel Kamtschatka auf seiner Africa-Twin (11.8.)

Kurz hinter Omsk bin ich Alexeji, einem Biker von der Insel Kamtschatka begegnet.

Da Alexeji ganz gut Englisch spricht, können wir uns prima unterhalten und sind dann den ganzen Tag gemeinsam unterwegs.

Alexeji ist Fahrer von Beruf und seine Idee bzw. Traum ist, einmal mit dem Motorrad von Wladiwostok quer durch Russland bis nach St. Petersburg zu fahren. Die Länge der Strecke kenne ich nicht genau, es werden aber wohl an die 10.000km sein.

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