Omsk und freundlichst aufgenommen im Motorradclub oppozit (Ural Motorbikeclub) (8.8-11.8)

Am Ysyk-köl habe ich leider meine Neopren Sturmhaube liegen gelassen. So ganz neu war sie ja nicht mehr. Da es morgens in Sibirien um die 10 Grad ist, fehlt mir die Sturmhaube schon. In Barnaul und Novosibirsk bin ich trotz einiger Suche nicht fündig geworden.

An einer Tankstelle, ca. 60km vor Omsk, steht zufällig ein weiterer tankender Biker. Mit Zeichensprache und ein paar russischen Vokabeln frage ich ihn nach einem Biker- Shop in Omsk und will eigentlich nur die Straße in Omsk wissen.

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Tja, so einfach ist das wohl nicht für einen waschechten Biker. Dmtriy führt mich kurzerhand nach Omsk zum Biker- Shop. Ich finde dort auch eine regendichte Sturmhaube für umgerechnet 40€.

Im Shop finden sich dann plötzlich einige Biker ein (die Buschtrommel scheint auch in Sibirien zu funktionieren). Per Internet- Translater werde ich erst mal ordentlich zu meiner Seidenstraßentour ausgefragt, da keiner von ihnen Englisch spricht und mein Russisch viel zu schlecht ist. Hat ganz gut funktioniert.

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Im Laufe der Zeit kommt die Frage auf, wo ich denn heute schlafen würde. Kurz entschlossen lädt mich Dmtriy in seine Wohnung zur Übernachtung ein. Dmtriy ist Medizinstudent, wie ich mit der Zeit herausbekomme und möchte in 2 Jahren sein Studium abschließen. Nebenbei bemerkt, ist Dmtriy 20 Jahre alt und kommt gebürtig von der Insel Kamtschatka. Ich hab seinen Ausweis gesehen. Nach dem Studium will er auch dorthin zurück.
Tja, so hab ich 2 Nächte in einer russischen Studentenbutze verbracht. War nicht schlecht.

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Dmtriy ist leidenschaftlicher Motorradfahrer und vieles dreht sich um die Ural. Letztes Jahr hat er eine Auszeichnung für das beste Costum Bike 2010 auf Basis der Ural im Motorradclub oppozit gewonnen. Die ganzen Arbeiten hat er in seiner Studentenwohnung durchgeführt mit einfachsten Mitteln. An diesem Bike hatte er 3 Jahre lang gearbeitet.

Besichtigung Omsk:
Dmtriy u Anton haben es sich nicht nehmen lassen, mir die Stadt Omsk zu zeigen.
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Ein Museum zu Waffen aus dem2. Weltkrieg. Wer genau hinschaut, kann ueber dem Schwert ein Plakat mit deutscher Propaganda lesen.

Nette Jungs:
Am Donnerstagmorgen geht`s dann weiter Richtung Thymen und Ekatarinburg. Die Jungs haben es sich nehmen lassen, mich per Eskorte in aller Herrgottsfrühe aus der Stadt zu begleiten. Zum Abschied schenkt er mir seine Vereinslitze. Einfach toll und beeindruckend von den Bikern. Ob das in Deutschland auch so passieren würde?!

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Was sagt mir das?
Eigentlich wollte ich nur ein neues Halstuch kaufen u manchmal muss man wohl etwas verlieren, um etwas Neues zu gewinnen.

Novosibirsk u meine Momentaufnahme (7-8.8)

ovosibirsk und mein Eindruck:
Novosibirsk ist mit ca. 1,5 Mio. Einwohnern die 3. größte Stadt Russlands und die größte Stadt in Sibirien. Sie liegt am Fluss Ob und ist das Kultur- und Theaterzentrum Sibiriens. Schon zu Stalins Zeiten wurde die Stadt und Umgebung als Industriezentrum für die Rüstung strategisch ausgebaut. Vielleicht ist Novosibirsk dem ein oder anderen auch ein Begriff durch das große deutsche Kriegsgefangenenlager nach dem 2. Weltkrieg.

Das Stadtbild und die Skyline sind modern und man fährt an Reklamen wie Metro oder Media Markt … vorbei. Europa scheint nicht mehr weit zu sein.
Auch haben sich die Kosten für die Unterkünfte deutlich erhöht auf europäisches Niveau. In Kirgisien und Kasachstan bin ich mit ca. 20$ am Tag ausgekommen.

Seit der Stadt Barnaul sind die Straßen und die Beschilderung nach europäischem Muster. Die z. T. riesigen Löcher in den Straßen von Kirgisien, Usbekistan und Tadschikistan vermisse ich nicht wirklich. Auch die offenen Gullis in den Straßen fehlen mir nicht. Ich kann jetzt ganz entspannt Moped fahren und nebenher auch noch die Landschaft bestaunen.

Bahnhof:
In Novosibirsk hält auch die Transsibirische Eisenbahn und da darf das Foto des farbigen Bahnhofs nicht fehlen.
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Der Fluss Ob:
Der Ob hat eine Länge von 3.600km und ist damit einer der größten Flüsse Sibiriens. Hier in Novosibirsk ist er bis zu 1km breit.
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Leninplatz und Staatstheater:
Am Leninplatz war eine Ausstellung zu sehen, hier ein paar Bilder davon.
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Die Uhr ist zur MEZ +5Std versetzt. Nach grober Abschätzung liegen noch ca. 7.000km Kilometer vor mir. Das Wetter ist hier jetzt deutlich kühler im Vergleich zu Zentralasien und hat mich veranlasst, das Futter in die M-Kleidung einzuziehen.

Thema Sicherheitsgefühl:
Wie in allen anderen Ländern vorher habe ich auch hier in Sibirien ein gutes Gefühl. Die Menschen sind nett und hilfsbereit und die Polizei ist deutlich weniger präsent im Vergleich zu den Ländern in Zentralasien. Auch gibt es die lästigen Straßenposten mit der Passkontrolle und der Registration nicht mehr.

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In der Umgebung wird intensiv Landwirdschaft betrieben.

Kasachstan, eigentlich nur durchgefahren (30.7 – 5.8)

Von Almaty bis Semey sind es ca. 1.300km, einmal durch ganz Ostkasachstan.

Die Ausfahrt aus Almaty dauert  2 Stunden, weil die Ausfahrtstraße nach Semey ca. 5km rechts und links von einem riesigen Bazar gesäumt wird und es nur schrittweise vorwärts geht, bei einer Affenhitze.

Über die A350, nach unseren Maßstäben eine gute Landstraße, geht es z. T. durch endlose Steppe soweit das Auge reicht.

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Na das wird aber eng. LKW mit Überbreite.

Übernachtet habe ich jeweils in den Städten Taldyqorghon und Ayaköz in einfachen Hotels.

Unterwegs bin ich Atsushi, einem jungen japanischen Biker aus Tokio begegnet, der für ein Jahr unterwegs ist, erst durch Europa und dann quer durch Afrika. Er berichtet, auf der Fahrt durch die Mongolei sei er wegen der schlechten Straßen oft mehrmals täglich gestürzt und ist froh, in Russland wieder auf Straßen zu fahren.

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Semey:
Semey liegt am Irkysh Fluss, der hauptsächlich von den Ausläufern des Altai Gebirge gespeist wird. Eine Stadt, die sich aufmacht in die Neuzeit und ein Transport- und Verkehrsknoten zwischen Russland und Kasachstan bildet. Überall wird gebaut und die alte Sowjetzeit abgelegt. Als Beispiel das Hotel Semey mit einer Sowjetaura von außen, aber von innen ist es z. T. komplett modernisiert.

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Semey, früher auch Semipalatinsk genannt, ist auch bekannt, weil in der Zeit von 1949 – 1989  in der westlichen Steppe alle 460 Atombombenversuche der Sowjetunion stattgefunden haben.

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Flusslandschaft mit Promenade, das hat doch was, oder?

Im Hotel Semey habe ich Jake, einen amerikanischen Studenten wiedergetroffen, dem ich das erste Mal in Murgab, auf dem Pamir begegnet bin. Jake ist von Frankfurt aus mit seinem Bike gestartet und über den Irak … nach Tadschikistan unterwegs. Sein Rückflug geht von Ulan Bator in der Mongolei in 14Tagen. Er berichtet, dass er mit 2 polnischen Bikern die Bachqueren auf dem Pamir nicht so gut überstanden haben, da sie 2 mal gestürzt sind, ziemlich nass waren und in Sommerschlafsäcken auf 4.000m Höhe übernachten mussten. Die Nacht wäre so erbärmlich kalt gewesen. Da bin ich wohl deutlich besser davongekommen, Glück gehabt!

Klima:
Zwischen Osh in Kirgisien und Semey in Kasachstan liegen etwa 2.000km Luftlinie in nördlicher Richtung. Dies ist im Klima schon deutlich zu spüren. Die Tagestemperatur liegt hier in Semey bei 25 – 30 Grad, sehr angenehm.

Kasachische Polizei:
Den schlechten Ruf der kasachischen Polizei konnte ich nicht nachvollziehen und bin bisher keinmal gestoppt und überprüft worden. Mal sehen, wie es an der Grenze zu Russland klappt.

Ab morgen dann hoffentlich in Sibirien, bin schon ganz gespannt. Die erste Station soll Barnaul werden. Eine gute Hoteladresse in Barnaul hat mir Adrian gegeben, mal schauen wie es ist.

Erster Eindruck von Kasachstan u Almati :)

Die Grenzüberschreitung von Kirgisien nach Kasachstan ist nach 1 Std. geschafft. Auf der kasachischen Seite ist es total unübersichtlich und nimmt die längste Zeit in Anspruch. Na ja, ich will nicht meckern, es geht alles sehr freundlich von statten und das Immigrationsformular wird mir sogar ausgefüllt.

Nach 200km auf guter Asphaltstraße ist Almaty erreicht.

Die Hotelsuche hat sich dank Lonely Planet als nicht allzu schwierig gezeigt. Ein Autofahrer lotst mich durch die halbe Stadt und freut sich,  ein paar Brocken Deutsch mit mir zu sprechen. Anschließend gibt er mir noch seine Tel Nr.,  falls ich noch Hilfe brauchen sollte.

Almaty macht auf mich den Eindruck einer schönen blitzsauberen Metropole mit Flair und vielen schattigen Parks. Die Sehenswürdigkeiten hier aufzuzählen, macht keinen Sinn. Ich bin bass erstaunt über die Anzahl richtig dicker Autos hier.

Registration: Wenn man mehr als 5 Tage in Kasachstan verweilt und über Land einreist, ist eine Registration erforderlich, die mir 35$ gekostet hat :(. Da ich aufgrund meines Visums erst am 6.8. nach Russland einreisen kann, bin ich voraussichtlich 6Tage in Kasachstan.

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Einmal quer durch Kirgisien, von Osh, Kazarman, zum Song-köl u dem Ysyk-köl nach Bishkek im Sauseschritt (26 – 29.7)

Nach der kleinen Erholungspause in Osh, hab ich mich entschlossen, quer durch Kirgisien zu fahren, über Kazarman, zum Song-köl und dann weiter zum Ysyk-köl. Nicht unerwähnt möchte ich lassen, dass die Zeit mit Adrian und Max im Sun-rise recht angenehm und informativ war. Haben auch ein „paar“ Bierchen gemeinsam getrunken.

Zwischendurch muss noch mein Helm repariert und die Seitenkofferbefestigung verbessert werden. Kein Problem für einen Schreiner, der auch noch ein bisschen mehr kann. War eine  Empfehlung des Hotelboys. Ich bin sehr zufrieden.

Auf der Fahrt quer durch Kirgisien gibt's schöne Landschaften, einige Pässe und Ländliches zu sehen. Tja, dabei muss ich ca. 350km Schotterpiste bewältigen. Irgendwie hab ich mich schon fast daran gewöhnt und kann dabei ganz locker bleiben, mal im Stehen und mal im Sitzen. Die Federung der Enduro schluckt so einiges weg. Ab 50 – 60km/h spüre ich auch die Wellblechpiste nicht mehr.

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Song-köl (Video):
Am Song-köl gibt es eine phantastische Ruhe. In der Nacht fällt die Temperatur aber auf unter null Grad C und auf dem Sitz des Motorrades finde ich am Morgen Eis.
Nebenan sind 4 polnische Radler, etliche Jurten und sonst nichts als Natur!
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Ysyk-köl:
Der Ysyk-köl liegt am Fuß des Tien-Shan Gebirges und ist der größte See Kirgisiens. Mit 1.000 Höhenmeter ist es angenehm luftig am See. Da der Ysyk-köl das Urlaubsgebiet der Kirgisien ist, sind hier auch dementsprechend viele Touristen und das entsprechende Umfeld zu finden. Hab mich aber nicht recht wohl gefühlt und bin daher am nächsten Tag weiter nach Bishkek gefahren. Ausländer müssen übrigens 10$ abdrücken, wenn sie an den See wollen, find ich nicht so gut.

Bishkek:
Untergekommen bin ich in einem idyllischen Gästehaus. Den Tipp habe ich von einem Russen am Ysyk-Köl bekommen. 20$ HP mitten in Bishkek mit Dusche und Toilette auf europäischem Standard ist doch nicht schlecht, oder?

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Zwischenbilanz:
Es stehen jetzt 18.000km auf der Uhr und es liegen 14 Grenzübertritte hinter mir.
Bis auf meine Sonnenbrille, gibt es keine Verluste zu beklagen.

Ab Sonntag dem 31.7.  dann hoffentlich in Kasachstan.

Treffen mit 2 Bikern aus der CH, Adrian Frei u seinem Freund

Welch eine Überraschung, heute sind Adrian und sein Freund in Osh, im Sun-Rise eingetroffen. Wir hatten uns vor Monaten per E-Mail kontaktiert und uns in "Zentralasien" lose verabredet. Wie klein ist doch die Welt!
Mal sehen, was es über Kasachstan und Russland für Erfahrungen gibt.

Die Tour von Adrian und seinem Freund könnt ihr im Internet nachlesen, anbei der Link dazu.

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Von Khorog durch das Wakhan-Tal bis nach Alichur und ein unglaubliches Erlebnis (21 – 23.7.)

Aufgrund der vielen Informationen von den Gästen im Hostel entscheide ich mich, doch durch das Wakhantal zu fahren.

Die erste Etappe führt nach Ishkashim, wieder am Panj entlang.

Ishkashim hat etwas Besonderes. Hier gibt es einen Grenzübergang nach Afghanistan und einen gemeinsamen Markt zwischen Tadschiken und Afghanen. Wie der Ablauf und die Grenzformalitäten dabei geregelt sind, kann ich mir leider nicht ansehen, da der Markt nur einmal pro Woche, am Samstag, stattfindet.

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Übernachtet habe ich in Tuggot. Hier gibt es heiße Quellen, die als "kleiner Kurort" genutzt werden. Um zu den heißen Quellen zu kommen, muss ich vom Panj in die Berge, ca. 7km abbiegen.

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Hab es mir in diesem Zelt für eine Nacht gemütlich gemacht und mein eigenes Süppchen gekocht. Bin der Einzige, das hat doch was, oder?

Am anderen Tag geht es weiter. Tagesziel ist Alichur.

Die Strecke hat es echt in sich, sowohl landschaftlich als auch fahrtechnisch. Auf diesem Abschnitt ist mir das erste Mal die Frage gekommen:“ Warum mach ich das eigentlich? Es gibt Abschnitte auf denen meine Betty und ich aus dem letzten Loch pfeifen und die Öltemperaturanzeige im roten Bereich ist.

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Hier mal wieder eine Tankstelle, hab ich doch gleich erkannt!?
Nach diesem Tanken klingelt allerdings der Motor recht stark geklingelt, ist wohl doch kein Super+. Aber in dieser Gegend nimmt man halt das, was da ist, auf Vertrauensbasis! Da ich ein Additiv (Oktan+ (Benzol)) dabei habe und dies einfülle, hat der Motor es verkraftet.

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Der erste Pass über 4.000m, der Khargush Pass mit 4344m.

Insgesamt habe ich auf dieser Strecke fünf 4.000der  Pässe überquert.

  • Khargush mit 4.344m
  • Neiatash mit 4.137m
  • Akbaital mit 4.655m
  • Uy Bulak mit 4.243m und 
  • Kizil Art mit 4.336m

Die Höhe verkrafte ich eigentlich ganz gut, außer dass ich bei kleinen Anstrengungen schnaufen muss, wie nach einem 5.000m Lauf. Nur gut, dass ich auf Betty sitze und nicht laufen muss!

 

Ein unglaubliches Erlebnis:
Am letzten Militärkontrollpunkt im Wakhantal, in Kargush, kurz vor dem ersten 4.300m Pass, werde ich, wie schon gewohnt, registriert. Alles in Ordnung!

Ich steige wieder auf mein Motorrad und der Schlagbaum wird geöffnet. Da ruft aus der nahegelegenen Kaserne jemand dem Posten etwas zu und „Schwupps“ ist der Schlagbaum wieder geschlossen. Nanu?

Ein Soldat kommt bei 4.000m Höhe im gestreckten Galopp aus der Kaserne gerannt und will meinen Pass noch mal sehen. Kurzerhand steckt er den Pass ein und erklärt mir, ich habe sofort mit in die Kaserne zu kommen und meine Registrierung müsse in einem Computer eingetragen werden. Da ich mich weigere, in die Kaserne zu kommen und sofort meinen Pass wiederhaben will, wird der Soldat laut und bedrohlich. Mein Herz ist mir dabei doch ein wenig in die Hose gerutscht. Hab aber versucht, mir nichts anmerken zu lassen. Alle Diskussion nutzt mir gar nichts und ich fahre dann doch notgedrungen in die Kaserne, hab ja keinen Pass mehr!

Mit Erschrecken wird mir bewusst:
Im Umkreis von 30km gibt es hier weder eine Siedlung noch ein Haus oder eine Jurte, nur diese gottverlassene Kaserne als letzte Grenzüberwachung nach Afghanistan.

Als ich in der Kaserne ankomme, werde ich in den hinteren Bereich der Kaserne verwiesen, wo eine Halle zu sehen ist und Militärfahrzeuge repariert werden. Ich soll hier hineinfahren. Ich weigere mich und steige erst mal vom Motorrad ab.

In Gedanken sehe ich mich schon eine Nacht auf einer Militärpritsche liegen und meine Tour- Ausrüstung verschwinden.

Denkste! Ein Soldat erklärt mir, ich solle ihm helfen sein Militär-Quad zu reparieren. Er bekommt die Zündkerze nicht herausgeschraubt. Im Quad-Motor steckt eine Mini-Zündkerze. Um die herauszubringen, benötigen sie einen 17er oder 15er Kerzenschlüssel, haben aber nur einen 19er Steckschlüssel. Hab Ihnen dann mein Boardwerkzeug gezeigt und erklärt, dass ich auch keinen passenden  Schlüssel habe. Nach 10min und mein aufrichtiges Bedauern, ihnen nicht helfen zu können, geben sie mir meinen Pass wieder und lassen mich meines Weges fahren.

Mann, bin ich erleichtert! Irgendwie hätten sie mir auch anders erklären können, dass sie ein Problem haben und Hilfe benötigen. Vor lauter Aufregung meinerseits hab ich kein Foto gemacht. Ich glaub, das wäre auch nicht gut angekommen.

 

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Endlich aus dem Wakhal Tal heraus und wieder auf der M41. Bin ich happy!

Übernachtung in Alichur, einem tollen B&B:

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Aufsatz für das Plumpsklo bzw. die Alternative!

Dieses B&B auf 4.000m Höhe ist innen sehr gepflegt und sauber und sogar mit beheiztem Bad! Der Ort selbst ist total armselig und man würde sagen, hier ist der Hund verfroren. Aber Innen haben es sich die Menschen so gemütlich gemacht, wie es nur geht. Irgendwie muss man ja den Winter überstehen, wenn es hier bis zu -40 Grad kalt wird. Sie haben keinen Strom, kein Telefon und kein fließendes Wasser.  Der Besitzer ist Russischlehrer, kann gut Englisch und ist sehr unterhaltsam.

Auf dem Akbaital Pass mit 4.655m:

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Hab auf dem Pass 2 schweizerische Mädels getroffen, die seit einem Jahr unterwegs sind.
Ganz schön taff diese Beiden.

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Hab mein Winterfell angezogen, weil es hier oben mächtig windet und nur ca. 5 Grad warm ist.

 Übernachtung am Kara Kul

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Im Hintergrund ist der Peak Lenin zu sehen als 7.000sender

 

Noch eine Herausforderung, eine Bachdurchquerung auf 4.100m Höhe (nach dem Grenzübergang Tadschikistans und 1km vor dem kirgisischen Grenzposten):

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Nanu, wo ist denn die Straße geblieben?

Nach einigem Überlegen steige ich von meinem Motorrad ab und schaue mir den Bach sehr genau an und laufe erst mal quer hindurch, um zu sehen, ob es glatte Stellen oder Löcher gibt. Dabei laufen mir die Stiefel voll Wasser, aber was hilft`s? Nachdem ich ein paar größere Steine weggeräumt und mir so eine Fahrrinne ausgesucht habe mit einem Fixpunkt am anderen Ufer, steige ich wieder auf meine Betty.

Es dauert aber glaube ich weitere 5min, bis ich mich soweit gesammelt habe. Ich schnaufe immer noch wie nach einer größeren Anstrengung.
Betty und ich sind uns einig, wir wollen es versuchen und unser Bestes geben. Wenn mir die Maschine dabei umkippt, wird es richtig unangenehm, weil weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist.

Dann ist es geschafft. Man, bin ich erleichtert. Ich glaube, am Anfang meiner Tour hätte ich es nicht geschafft. Anschließend hab ich meine Hydro-Socks (Neoprensocken) ausprobiert, damit ich keine kalten Füße in den nassen Stiefeln bekomme. Hat funktioniert.

Am kirgisischen Grenzposten läuft alles glatt und dann geht`s weiter Richtung Osh, noch ca. 200km.

Gegen frühen Sonntagnachmittag komme ich dann wohlbehalten, voller neuer Erfahrungen und Eindrücke in Osh, im Sun Rise an. Gott sei Dank!!!

Insgesamt bin ich ca. 2.000km für die Pamir Tour gefahren und muss jetzt erst mal wieder verschnaufen und Putz- und Flickstunde abhalten.

Seit dem Start in Aerzen hab ich bis jetzt 17.000km zurückgelegt und 3 weitere Grenzen überquert.

 Demnächst geht es weiter Richtung Bishkek und dann nach Kasachstan.

Den Reiseblock werde ich dann aber wohl weniger intensiv schreiben. Ich hoffe, das ist ok.

 PS:
Irgendwie waren bis jetzt so viele Eindrücke und Erlebnisse, dass der Wunsch nach meiner Heimat, meiner Fam. und meinen Freunden, deutlich zu spüren ist.

Fahrt von Khostav nach Khorog (19.7.)

Die Strecke führt weiter am Panj-Fluss entlang. Die Straßenverhältnisse sind jetzt aber deutlich besser geworden und mit längeren Asphaltpassagen gut befahrbar :).

Noch eine kleine Anmerkung zum Panj-Fluss:

Vom letzten Bürgerkrieg in Tadschikistan (1992 – 95) wurde das Panj Flussufer vermint. Mal einfach so am Flussufer zelten oder sich hinter einem Felsen erleichtern, kann zu einer bösen Überraschung führen. Auf der Strecke am Panj habe ich sowohl deutsche als auch schweizerische  Organisationen gesehen, die mit Minenräumung beschäftigt sind.

 

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Tanken:
In Kala i Khum gibt es mal wieder eine Tankstelle. Getankt wird mit 5ltr. Eimern und großem Trichter, 23ltr. Mein Tank ist ziemlich leer.

Weitere Bilder und Eindrücke

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Auf einsamer Strecke verkauft dieses Mädchen Tomaten und ist ganz glücklich, als ich ihr ein paar Früchte abkaufe.

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Steiler Anstieg
Hier sieht man einen chinesischen Kleinbus, der die heftige Steigung nicht schafft. Die Beiden versuchen Meter für Meter voranzukommen. Nach jedem Meter wird sofort wieder ein Stein hinters Rad geschoben, damit der Bus nicht wieder abrutscht. Die Kupplung stinkt bis zu mir herauf. Was draus geworden ist, hab ich nicht bis zum Ende verfolgt.

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Hier ist der Panj mal sehr breit und fliesst etwas langsamer.

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Abends komme ich in Khorog an und suche mir aus dem Lonely Planet eine Bleibe im Pamir Lodge und bin unter vielen Radfahrern mit meinem Motorrad ein Exot.

In Khorog gönne/brauche ich erst mal einen Tag Pause, um mich zu sortieren. Für mich steht die Entscheidung an, ob ich nach den bisherigen Anstrengungen und Erfahrungen noch das Wakhantal über Ishkashem bereise, oder die einfachere Strecke über die M41 nach Murgab nehme.

Im Pamir Lodge sind ca. 30 Travler, die entweder mit dem Fahrrad od. dem Rucksack auf dem Pamir unterwegs sind. Alles irgendwie "bunte Vögel" und wir haben uns viel zu erzählen bzw. Erfahrungen auszutauschen. Es sind überwiegend Schweizer Radler, die den Pamir befahren und erleben möchten. Sie haben z. T bis zu 40kg Gepäck dabei und für 4 – 5 Tag Lebensmittel an Bord. Es ist auch interessant, wie sie die logistischen Vorbereitungen treffen, angefangen damit, dass sie die Höhenmeter und die Gefällstrecken erarbeiten und erkunden, wo es das nächste Mal Essbares zu kaufen gibt.

Nachdem ich mir die Vorbereitungen der Radler angesehen habe, entscheide ich mich für die Fahrt durch das Wahkal Tal.

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Gemeinsames Kartenstudium

Fahrt von Dushanbe an den Panj Fluß (Grenze zu Afghanistan) über die südliche Route mit tollen Highlights u ungewollter Nachtfahrt (18.7.)

Route: Qurghon Teppa, Danghara, Vose, Kulob und ab Khirmanjo an den Panj-Fluss

Die Ausfahrt aus Dushanbe ist aufgrund des vorbereiteten Tracks kein Problem. Mit Navi fällt doch immer eine Menge Stress und Unsicherheit weg und ich kann mich ganz auf den Verkehr und die Landschaft konzentrieren.

Die Landschaft ist einfach toll und abwechslungsreich zwischen sanften Hügeln, hohen Bergen und Wüste. Leider ist es heute dunstig und ziemlich heiß, so dass ich nur wenige Bilder schieße.

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Die Polizeikontrollen sind hier recht häufig und die Jungs nutzen mobile Radarpistolen. Ich werde auch raus gewinkt und man zeigt mir mit viel Gestik 89 km/h auf der Radarpistole.  Nachdem sie meine Papiere und Führerschein überprüft haben, kommt die Frage nach einem kleinen Geschenk. Hab die Frage einfach nicht verstanden, mein Russisch ist ja nicht so gut. Dann lassen sie mich aber mit breitem Grinsen weiterfahren und wünschen mir alles Gute.

Auf der weiteren Fahrt führt die Route über einen Pass mit toller Gebirgslandschaft, aber mal wieder mit z. T. extrem anspruchsvoller Endurostrecke.

Im Ort Khirmanjo ist nur noch ein kleiner Weg vorhanden bzw. geht in einen Bach über. Dann passiert mir ein Fahrfehler, ich kann die Maschine nicht mehr halten und stürze hin. Bis auf ein paar weitere Kratzer am Koffer und einem dreckigen M-Anzug ist nichts passiert. 4 Kinder helfen mir mit, die Maschine aufzurichten. Ich komme gut aus dem Bach raus und weiter geht`s.

Video

Um 21:30 finde ich endlich eine Übernachtung in Khostav in einer Pension. Draußen auf den Bänken im warmen Schlafsack war die Nacht sehr erholsam.

Hier mein Bett unter freiem Himmel
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10km vor Khostav taucht plötzlich eine gute Straße mit einer Länge von 40km auf, eine wahre Erholung nach der ewig langen Rumpelpiste.
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Blick auf den Panj-Fluss. Auf der anderen Seite liegt Afghanistan. Wenn man genau hinschaut, sieht man eine Fam. mit Eseln des Weges ziehen. Krass der Unterschied: auf der afghanischen Seite sieht man nur Pfade und auf der tadschikischen Seite gibt es z. T. perfekt ausgebaute Straßen.

Fahrt von Batken nach Dushanbe über das Zarafshon Gebirge u den Anzobtunnel (17.7.)

Der Grenzübergang Batken/ Isfara, Tajikistan, ist recht klein und nach 1 Std. passiert. Muss aber 20$ für die Straßenbenutzung und für das Motorrad zahlen. Seit Turkmenistan habe ich keine Haftpflichtversicherung mehr abschließen müssen.

Eindruck:
Die Straßen sind z. T. sehr gut und wurden von Chinesen gebaut. Insgesamt ist in TJ die Infrastruktur wie Straßen, Strom und Wasser sehr viel besser als in Kirgisien. Auch das Umweltbewusstsein scheint in TJ sehr viel besser zu sein, sichtbar durch weniger Müll an den Straßenrändern….

Die Fahrt über das Zarafshon Gebirge, den Shahristonpass mit 3.378m und durch den Anzobtunnel hat es in sich!

Die Straße über den Shahristonpass ist komplett Schotterpiste und z. T. recht schwierig durch große Sandlöcher und enge  Kehren bei LKW-  Gegenverkehr. (ABS nutzt da nicht viel).

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Aber der Tunnel ist der blanke Horror, ohne Beleuchtung, ohne Belüftung und lange Strecken einige Zentimeter Wasser, so dass die Löcher nicht zu sehen sind. Einmal bin ich mit Schritttempo in ein tiefes Loch reingefahren, mit einem Schlag mit dem Vorderrad bis zur Achse abgesoffen und habe dabei auch noch die Maschine abgewürgt. Mit Glück bin ich da wieder heil herausgekommen und Gott sei Dank ist mir die Maschine nicht umgekippt.
Das war ein echter Alptraum, und nachher, am Tunnelausgang, hab ich total weiche Knie. Ich glaube, freiwillig fahr ich da nicht mehr durch!!
Seit einigen Jahren fahren keine Busse und Taxis mehr diese Strecke, ich versteh jetzt auch, warum!

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Dushanbe
Bin ich froh um 22:00 eine Bleibe gefunden zu haben. Die Unterkunft in der Wash-Pensionshaus, Mehrbettzimmer für 10$.
Heute stehen 470km auf der Uhr und ich bin ziemlich platt.

Ein Mythos, ein Abenteuer & Jahrtausend alte Kulturen