Von Khorog durch das Wakhan-Tal bis nach Alichur und ein unglaubliches Erlebnis (21 – 23.7.)

Aufgrund der vielen Informationen von den Gästen im Hostel entscheide ich mich, doch durch das Wakhantal zu fahren.

Die erste Etappe führt nach Ishkashim, wieder am Panj entlang.

Ishkashim hat etwas Besonderes. Hier gibt es einen Grenzübergang nach Afghanistan und einen gemeinsamen Markt zwischen Tadschiken und Afghanen. Wie der Ablauf und die Grenzformalitäten dabei geregelt sind, kann ich mir leider nicht ansehen, da der Markt nur einmal pro Woche, am Samstag, stattfindet.

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Übernachtet habe ich in Tuggot. Hier gibt es heiße Quellen, die als "kleiner Kurort" genutzt werden. Um zu den heißen Quellen zu kommen, muss ich vom Panj in die Berge, ca. 7km abbiegen.

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Hab es mir in diesem Zelt für eine Nacht gemütlich gemacht und mein eigenes Süppchen gekocht. Bin der Einzige, das hat doch was, oder?

Am anderen Tag geht es weiter. Tagesziel ist Alichur.

Die Strecke hat es echt in sich, sowohl landschaftlich als auch fahrtechnisch. Auf diesem Abschnitt ist mir das erste Mal die Frage gekommen:“ Warum mach ich das eigentlich? Es gibt Abschnitte auf denen meine Betty und ich aus dem letzten Loch pfeifen und die Öltemperaturanzeige im roten Bereich ist.

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Hier mal wieder eine Tankstelle, hab ich doch gleich erkannt!?
Nach diesem Tanken klingelt allerdings der Motor recht stark geklingelt, ist wohl doch kein Super+. Aber in dieser Gegend nimmt man halt das, was da ist, auf Vertrauensbasis! Da ich ein Additiv (Oktan+ (Benzol)) dabei habe und dies einfülle, hat der Motor es verkraftet.

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Der erste Pass über 4.000m, der Khargush Pass mit 4344m.

Insgesamt habe ich auf dieser Strecke fünf 4.000der  Pässe überquert.

  • Khargush mit 4.344m
  • Neiatash mit 4.137m
  • Akbaital mit 4.655m
  • Uy Bulak mit 4.243m und 
  • Kizil Art mit 4.336m

Die Höhe verkrafte ich eigentlich ganz gut, außer dass ich bei kleinen Anstrengungen schnaufen muss, wie nach einem 5.000m Lauf. Nur gut, dass ich auf Betty sitze und nicht laufen muss!

 

Ein unglaubliches Erlebnis:
Am letzten Militärkontrollpunkt im Wakhantal, in Kargush, kurz vor dem ersten 4.300m Pass, werde ich, wie schon gewohnt, registriert. Alles in Ordnung!

Ich steige wieder auf mein Motorrad und der Schlagbaum wird geöffnet. Da ruft aus der nahegelegenen Kaserne jemand dem Posten etwas zu und „Schwupps“ ist der Schlagbaum wieder geschlossen. Nanu?

Ein Soldat kommt bei 4.000m Höhe im gestreckten Galopp aus der Kaserne gerannt und will meinen Pass noch mal sehen. Kurzerhand steckt er den Pass ein und erklärt mir, ich habe sofort mit in die Kaserne zu kommen und meine Registrierung müsse in einem Computer eingetragen werden. Da ich mich weigere, in die Kaserne zu kommen und sofort meinen Pass wiederhaben will, wird der Soldat laut und bedrohlich. Mein Herz ist mir dabei doch ein wenig in die Hose gerutscht. Hab aber versucht, mir nichts anmerken zu lassen. Alle Diskussion nutzt mir gar nichts und ich fahre dann doch notgedrungen in die Kaserne, hab ja keinen Pass mehr!

Mit Erschrecken wird mir bewusst:
Im Umkreis von 30km gibt es hier weder eine Siedlung noch ein Haus oder eine Jurte, nur diese gottverlassene Kaserne als letzte Grenzüberwachung nach Afghanistan.

Als ich in der Kaserne ankomme, werde ich in den hinteren Bereich der Kaserne verwiesen, wo eine Halle zu sehen ist und Militärfahrzeuge repariert werden. Ich soll hier hineinfahren. Ich weigere mich und steige erst mal vom Motorrad ab.

In Gedanken sehe ich mich schon eine Nacht auf einer Militärpritsche liegen und meine Tour- Ausrüstung verschwinden.

Denkste! Ein Soldat erklärt mir, ich solle ihm helfen sein Militär-Quad zu reparieren. Er bekommt die Zündkerze nicht herausgeschraubt. Im Quad-Motor steckt eine Mini-Zündkerze. Um die herauszubringen, benötigen sie einen 17er oder 15er Kerzenschlüssel, haben aber nur einen 19er Steckschlüssel. Hab Ihnen dann mein Boardwerkzeug gezeigt und erklärt, dass ich auch keinen passenden  Schlüssel habe. Nach 10min und mein aufrichtiges Bedauern, ihnen nicht helfen zu können, geben sie mir meinen Pass wieder und lassen mich meines Weges fahren.

Mann, bin ich erleichtert! Irgendwie hätten sie mir auch anders erklären können, dass sie ein Problem haben und Hilfe benötigen. Vor lauter Aufregung meinerseits hab ich kein Foto gemacht. Ich glaub, das wäre auch nicht gut angekommen.

 

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Endlich aus dem Wakhal Tal heraus und wieder auf der M41. Bin ich happy!

Übernachtung in Alichur, einem tollen B&B:

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Aufsatz für das Plumpsklo bzw. die Alternative!

Dieses B&B auf 4.000m Höhe ist innen sehr gepflegt und sauber und sogar mit beheiztem Bad! Der Ort selbst ist total armselig und man würde sagen, hier ist der Hund verfroren. Aber Innen haben es sich die Menschen so gemütlich gemacht, wie es nur geht. Irgendwie muss man ja den Winter überstehen, wenn es hier bis zu -40 Grad kalt wird. Sie haben keinen Strom, kein Telefon und kein fließendes Wasser.  Der Besitzer ist Russischlehrer, kann gut Englisch und ist sehr unterhaltsam.

Auf dem Akbaital Pass mit 4.655m:

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Hab auf dem Pass 2 schweizerische Mädels getroffen, die seit einem Jahr unterwegs sind.
Ganz schön taff diese Beiden.

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Hab mein Winterfell angezogen, weil es hier oben mächtig windet und nur ca. 5 Grad warm ist.

 Übernachtung am Kara Kul

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Im Hintergrund ist der Peak Lenin zu sehen als 7.000sender

 

Noch eine Herausforderung, eine Bachdurchquerung auf 4.100m Höhe (nach dem Grenzübergang Tadschikistans und 1km vor dem kirgisischen Grenzposten):

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Nanu, wo ist denn die Straße geblieben?

Nach einigem Überlegen steige ich von meinem Motorrad ab und schaue mir den Bach sehr genau an und laufe erst mal quer hindurch, um zu sehen, ob es glatte Stellen oder Löcher gibt. Dabei laufen mir die Stiefel voll Wasser, aber was hilft`s? Nachdem ich ein paar größere Steine weggeräumt und mir so eine Fahrrinne ausgesucht habe mit einem Fixpunkt am anderen Ufer, steige ich wieder auf meine Betty.

Es dauert aber glaube ich weitere 5min, bis ich mich soweit gesammelt habe. Ich schnaufe immer noch wie nach einer größeren Anstrengung.
Betty und ich sind uns einig, wir wollen es versuchen und unser Bestes geben. Wenn mir die Maschine dabei umkippt, wird es richtig unangenehm, weil weit und breit keine Menschenseele zu sehen ist.

Dann ist es geschafft. Man, bin ich erleichtert. Ich glaube, am Anfang meiner Tour hätte ich es nicht geschafft. Anschließend hab ich meine Hydro-Socks (Neoprensocken) ausprobiert, damit ich keine kalten Füße in den nassen Stiefeln bekomme. Hat funktioniert.

Am kirgisischen Grenzposten läuft alles glatt und dann geht`s weiter Richtung Osh, noch ca. 200km.

Gegen frühen Sonntagnachmittag komme ich dann wohlbehalten, voller neuer Erfahrungen und Eindrücke in Osh, im Sun Rise an. Gott sei Dank!!!

Insgesamt bin ich ca. 2.000km für die Pamir Tour gefahren und muss jetzt erst mal wieder verschnaufen und Putz- und Flickstunde abhalten.

Seit dem Start in Aerzen hab ich bis jetzt 17.000km zurückgelegt und 3 weitere Grenzen überquert.

 Demnächst geht es weiter Richtung Bishkek und dann nach Kasachstan.

Den Reiseblock werde ich dann aber wohl weniger intensiv schreiben. Ich hoffe, das ist ok.

 PS:
Irgendwie waren bis jetzt so viele Eindrücke und Erlebnisse, dass der Wunsch nach meiner Heimat, meiner Fam. und meinen Freunden, deutlich zu spüren ist.

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